Wärmedämmung als Mangel

Das Oberlandesgericht Frankfurt a. M. hat in seinem Beschluss vom 07.07.2010 eine für die Werkunternehmerschaft negative Entscheidung gefällt, die nur mit den Besonderheiten des Werkvertragsrecht zu erklären ist.

Im vorliegenden Fall ging es um eine Fassadenauffälligkeit an einem neu errichteten Wohngebäude. Das betreffende Bauwerk zeigte bereits nach nur zwei Jahren an der gestrichenen Fassade dunkle streifige Verfärbungen. Diese wurden auf einen Pilz- und Algenbewuchs zurückgeführt. Eine Anhaftung und Ablagerung war möglich, da an der Fassade vermehrte Feuchtigkeit bestand. Hierdurch entstand ein förderlichen Nährboden.

Die Besonderheit des Falls besteht darin, dass das Gebäude mit einem Wärmedämmverbund-system versehen wurde, welches die Fassadenaußentemperatur dauerhaft niedriger hält als dies bei einer ungedämmten Fassade der Fall ist. Hierdurch entsteht aber die nachteilige Wirkung, dass die Feuchtigkeit länger auf dem Putz bleib, was den Pilz- und Algenbewuchs fördert.

Der Werkunternehmer lehnte ihm gegenüber erhobene Mängelrechte ab, da sowohl der Fassadenanstrich als auch die Wärmedämmung der vertraglichen Leistungsbeschreibung entsprachen und technisch einwandfrei hergestellt worden waren.

Das Oberlandesgericht entschied allerdings in seinem Beschluss, dass es hierauf nicht ankomme. Der Werkunternehmer schulde nicht nur das vertraglich vereinbarte Wärmedämmverbundsystem und mangelfreie Verputzarbeiten, sondern insgesamt ein funktionsfähiges Gebäude. Nach Auffassung des Gerichts entspreche es nicht der üblichen Beschaffenheit einer Außenfassade, dass diese nach zwei bis drei Jahren einer großflächigen Reinigung unterworfen sei, ohne dass beispielsweise begünstigende Umweltbedingungen entstanden seien.

Der vertraglich geschuldete Werkerfolg bestehe auch dann in der Funktionstauglichkeit des Werks, wenn die vereinbarte Ausführungsart nicht geeignet sei, den vereinbarten Erfolg zu erreichen. Unter Zugrundelegung dieser Ausführungen wurde im vorliegenden Fall ein Mangel bejaht. Das Gericht sah es auch als unerheblich an, dass im Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes die Zusammenhänge zwischen geringerer Außenfassadentemperatur und der Begünstigung von Pilz- und Algenbewuchs nicht bekannt waren.

Die werkvertragliche Gewährleistung für die Funktion des geschuldeten Werks setze weder ein Verschulden noch die Vermeidbarkeit des Mangels voraus. Dementsprechend wurde hier mit dem in ständiger Rechtsprechung des BGH dargelegten funktionalen Herstellungsbegriffs eine Erfolgshaftung erneut begründet.

Hieran ändert sich grundsätzlich auch nichts, wenn die Parteien eine bestimmte Ausführungsart vereinbart haben, mit dieser allerdings die geschuldete Funktionstauglichkeit des Werkes nicht erreicht werden kann. Dies gilt auch dann, wenn die Arbeiten zum Zeitpunkt der Erstellung des Werkes dem gültigen Stand der Technik entsprachen. Das Oberlandesgericht hat die bereits weitreichende Haftung des Werkunternehmers abermals bestätigt.

Fragen zu dieser Problematik oder auch zu konkreten Mängelvorfällen beantworten wie Ihnen gerne.