Nachweisprobleme bei HWS

In der Rechtsprechung wie auch in der Praxis stellt sich immer wieder das Problem des Beweises der Unfallbedingtheit behaupteter Beschwerden bei Unfällen im Niedriggeschwindigkeitsbereich. Die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung der Halswirbelsäule der Insassen nimmt grundsätzlich proportional mit dem Ausmaß der kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung zu.

Im Bereich der geringen Anstoßgeschwindigkeiten und damit verbundenen Geschwindigkeitsänderungen wird immer wieder das Vorliegen und die Verursachung eines Schleudertraumas der HWS von den regulierungsverpflichteten Krafthaftpflichtversicherungsunternehmen bestritten.

Der Geschädigte muss dabei den Beweis führen, dass die von ihm behaupteten Beschwerden durch den Unfall verursacht wurden.

Im gerichtlichen Verfahren wird diese streitige Frage regelmäßig durch Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens durch das Gericht geklärt. Die dabei entstehenden Ergebnisse sind für die Geschädigten oftmals überraschend, da nach der gutachterlichen Betrachtung oftmals geringe Geschwindigkeitsänderungen ermittelt werden und diese bei einer pauschalen Betrachtung dazu führen, dass lediglich eine geringe biomechanische Belastung vorliegt, die grundsätzlich nicht geeignet ist, das Beschwerdebild hervorzurufen. Als Ergebnis wird auch im medizinischen Teil oftmals festgestellt, dass das beschriebene Beschwerdebild kein zwingendes Indiz für das Vorliegen der unfallbedingten Distorsionsschädigung der HWS ist. Demgegenüber liegen oftmals attestierte Befunde des behandelnden Mediziners vor, die sich mit Bewegungsbeeinträchtigungen, Muskelverhärtungen und Druckschmerzhaftigkeit beschäftigen. All diese Beeinträchtigungen können dabei unfallunabhängig wie auch unfallabhängig als Beschwerdebild der HWS betrachtet werden. Oftmals fließen diese Befunde des erstbehandelnden Mediziners auch in dem Gutachten mit ein, ändern aber an der Ergebnisbetrachtung nichts.

Vor diesem Hintergrund ist es gerade auch bei kleineren Verletzungsfolgen in Form des Schleudertraumas der HWS entscheidend, dass eine differenzierte und detaillierte Diagnose im unmittelbaren Zusammenhang zum Unfallgeschehen erstellt wird.

Fragen zu dieser Problematik beantworten wir Ihnen gerne.

 

 
  • Rechtsanwältin Martina Beese